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VERTRAUEN VERTREIBT DEN NEBEL

Auf der Landstraße, überall hängen Nebelschwaden, plötzlich erscheint eine riesengroße Logistikhalle, vom Eingang aus sind endlose Regale und Förderbänder zu erkennen, plötzlich bewegen sich alle Mitarbeiter, Gabelstapler und Kommissionierwagen in Richtung Eingang …

Der Schweiß steht Frau Lange auf der Stirn, als sie aus ihrem Traum erwacht. Sie ist seit einem Jahr Trainee in genau diesem Logistikunternehmen und ihr Chef hat ihr gestern angeboten, dass sie in zwei Monaten Teamleiterin werden kann.

Ob eine neue Funktion, ein kniffliges neues Rechentool, ein umfangreiches Projekt, ein großer Kunde oder eine Präsentation vor vielen Menschen – Sie haben das sicher auch schon erlebt, dass Sie im Job vor einer Herausforderung standen, die schier unlösbar schien. Und in diese Situationen geraten Mitarbeiter meist nicht selbst, sondern durch Bestimmung des Chefs.

Dabei kann sich doch jeder glücklich schätzen, wenn die Führungskraft dem Mitarbeiter wie bei Frau Lange eine so tolle Aufgabe überträgt. Aber was ist, wenn der Mitarbeiter das noch nie in Erwägung gezogen hat, dies zu übernehmen? Wenn er gar nicht weiß, was auf ihn zukommt und der Vorgesetzte noch nie vorher mit ihm darüber gesprochen hat? Ich sage Ihnen, was passiert: Mitarbeiter werden unsicher und haben Angst, dass sie die Aufgabe nicht stemmen können.

Doch woher kommt die Diskrepanz? Der Vorgesetzte ist überzeugt, dass der Mitarbeiter genau der Richtige für den Posten ist und der Mitarbeiter hat Angst davor. Sinnbildlich liegt das Gipfelkreuz – also der neue Führungsjob – noch im Nebel verborgen. Vielleicht hat der Mitarbeiter sich selbst noch nie so weit oben gesehen, er kam überhaupt nicht auf die Idee, diese Situation einmal zu durchdenken. Dementsprechend fehlt auch das Zutrauen in sich selbst.

Die Führungskraft hingegen kann jeden Tag ganz objektiv beobachten, was der Mitarbeiter kann, welche Fähigkeiten er hat und wie er sich entwickelt. Und eine gute Führungskraft kann auch einschätzen, wohin ein Mitarbeiter sich künftig entwickeln will. Diese Einschätzung führt beispielsweise dazu, dass der Chef Frau Lange zutraut, aus der Trainee-Stelle zum Teamleiter zu wechseln. Weil sie eben alles mitbringt, was für die Stelle notwendig ist: notwendige Fachkenntnisse, Engagement, Weitsicht, eine klare Kommunikation, Verantwortungsbewusstsein …

Damit Mitarbeiter keine Angst vor einer solchen Herausforderung bekommen, ist eines unerlässlich: Die Führungskraft muss dem Mitarbeiter das Gefühl geben, dass er ihm hundertprozentig vertraut und ihm die Aufgabe zutraut. Denn das Gefühl, dass der Chef hinter ihm steht, den Entwicklungsprozess begleitet und vollstes Vertrauen hat, versetzt die größten Berge – und zwar im Kopf des Mitarbeiters: Sein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein steigen und das gibt Sicherheit. Das Grau verschwindet und auch beim Mitarbeiter entsteht ein klares, greifbares Ziel.

Und vollstes Vertrauen versetzt auch im Privatleben Berge. Ich habe es selbst erlebt: Ich hatte damals in Mathe und Chemie zwei fest betonierte Fünfen – bis ich zur Berufsberatung ging. Der nette Herr machte mir klar, dass ich für meinen Berufswunsch Maschinenbauingenieur besonders in diesen beiden Fächern ranklotzen müsse. Und wider Erwarten schlug mein Lehrer nicht die Hände über dem Kopf zusammen. Stattdessen sagte er: „Torsten, wenn du das wirklich willst, schaffst du es.“ Und ich habe es geschafft!

Wenn Sie Ihren Mitarbeitern also Verantwortung übertragen wollen, zeigen Sie Feingefühl und gehen Sie individuell auf den Menschen ein.

Herzlichst

Ihr Torsten Osthus

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