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DIE TEUERSTE AUSBILDUNG DER WELT

„Sind Sie verrückt! Ich schmeiße Sie doch nicht raus! Ich habe gerade eine Million Dollar in Ihre Ausbildung investiert!“

So hat Henry Ford reagiert, als ein leitender Angestellte nach einer teuren Fehlentscheidung erklärte, dass er die volle Verantwortung dafür übernehmen und als notwenige Konsequenz das Unternehmen verlassen würde. Jedenfalls heißt es so in der Überlieferung.

Aus Fehlern lernen
So manch ein Unternehmer würde ihn dafür auch heute noch verrückt erklären. Viele Chefs wollen nach falschen Entscheidungen, die das Unternehmen Geld kosten, Köpfe rollen sehen.

Nun weiß ich nicht, wie Sie das sehen, aber ich finde die Reaktion von Herrn Ford dennoch goldrichtig und sehr weise. Schließlich hält jeder Fehler die Chance bereit, diese Fehlerquelle für die Zukunft auszuschalten. Es heißt nicht umsonst: Aus Fehler kann man lernen. Wenn Chefs den betroffenen Mitarbeiter einfach freistellen, verwehren sie nicht nur dem Mitarbeiter, sondern dem ganzen Unternehmen die Möglichkeit, an dem Fehler zu wachsen, und laufen Gefahr, dass dem neuen Mitarbeiter der gleiche Fehler passiert. Nutzen Sie lieber die Chance, lernen gemeinsam und stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter nicht nochmals diesen Fehler machen. Und das heißt: Gehen Sie konstruktiv und wirkungsvoll mit Fehlern um.

Wie Sie das machen?
Immer wieder stehen Führungskräfte diesem Lernprozess – ohne es zu merken – selbst im Weg, indem sie Konsequenzen androht oder Schuldzuweisungen macht. Von solchen Äußerungen fühlen sich Menschen angegriffen und verfallen in eine Schutzhaltung. Sie versuchen, Verantwortung abzuschieben und Fehler zu vertuschen. Und noch schlimmer: Mitarbeiter, die Konsequenzen fürchten, werden sicher nichts Neues hervorbringen. Sie bleiben in ihrer Komfortzone und machen damit außergewöhnliche Leistungen und echtes (persönliches) Wachstum unmöglich.

Es liegt vor allem am Vorgesetzten, herauszufinden, was die Ursache für den Fehler war. Chefs können viel mehr erreichen, wenn sie nach dem Warum fragen: Warum hat der Mitarbeiter so gehandelt? Was genau wollte er damit erreichen? Und welcher Methode hat er sich dafür bedient? So kommen sie der Wurzel des Problems Stück für Stück näher und verstehen, an welchen Stellen sie anpacken müssen. Das ermöglicht dem Mitarbeiter echtes Lernen und eine substanzielle Entwicklung.

Fördern Sie also eine Unternehmenskultur, in der es erlaubt, ja sogar erwünscht ist, Fehler zu machen – immer unter der Prämisse, dass die Mitarbeiter auch daraus lernen möchten. Das Zauberwort dahinter heißt schlicht VERTRAUEN. In einer Umgebung, in der Sie Ihren Mitarbeitern vertrauen, ihnen etwas zutrauen und an sie glauben – auch wenn mal etwas schief läuft – können Mitarbeiter in ihrer Persönlichkeit wachsen und immer wirkungsvoller werden. Und dann werden Ihre Mitarbeiter auch immer mehr dazu bereit sein, Verantwortung zu tragen, an Ihr Limit zu gehen und Fehler offen zu kommunizieren.

Sich an der eigenen Nase packen
Die Fehleranalyse darf aber nicht bei den Mitarbeitern enden. Schließlich delegieren Führungskräfte die Aufgaben und tragen somit eine Mitverantwortung. Ja, auch Sie und ich.

Es ist also essenziell, dass sich Chefs an ihre eigene Nase fassen und fragen, inwiefern sie selbst dazu beigetragen haben, dass der Fehler gemacht wurde – und was sie ändern müssen, damit es nicht noch einmal passiert. Hilfreich ist es dabei, Freunde, Eingeweihte und Vertraute zu bitten, bei der Selbstbetrachtung und -analyse zu helfen – oder auch einen externen Coach. Schließlich hat jeder Mensch einen sogenannten blinden Fleck und kann möglicherweise nicht erkennen, was sein eigener Anteil an dem Fehler war.

Die Fehler Ihrer Mitarbeiter sind also nicht nur eine gute Möglichkeit, eine Entwicklung bei Ihren Mitarbeitern anzustoßen, sondern auch bei sich selbst. Jeder Fehler, der in Ihrem Unternehmen oder ihrer Abteilung gemacht wird, wird Sie persönlicher stärken und das ganze System stabiler machen.

Konsequenzen müssen sein
Nun will ich mit all der Rede um das Verständnis für Fehler und das Lernpotenzial, das ihm innewohnt, nicht darüber hinwegtäuschen, dass wiederholte Fehler sehr wohl Konsequenzen nach sich ziehen können und auch müssen. Aber eben Konsequenzen in der Sache und nicht in der Person. Sie haben bei gemachten Fehlern stets die Wahl: den Mitarbeiter klein machen und ihn persönlich angreifen oder gemeinsam daraus zu lernen und ihm bei seiner Entwicklung zur Seite zu stehen.

Sollten Sie noch nicht überzeugt sein, sehen Sie es einmal so: Wenn Ihre Mitarbeiter keine Fehler machen, arbeiten sie immer unter ihrem Limit. Und das ist keiner Organisation und auch Ihrem Team nicht zuträglich.

Die Frage ist also: Herrscht in Ihrem Unternehmen eine Vertrauenskultur, in der Fehler wertgeschätzt werden und die Mitarbeiter sich trauen, Fehler zu machen und diese auch zuzugeben?

Herzlichst

Ihr Torsten Osthus

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