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VON AUTORITÄT UND ALPHATIEREN

Autorität und Alphatiere

„Psychologie der Menschenführung: Wie Sie Führungsstärke und Autorität entwickeln.“

„Mit neuer Autorität in Führung: Warum wir heute präsenter, beharrlicher und vernetzter führen müssen.“

„Führen mit Autorität und Charisma.“

Die Management-Abteilung in Buchhandlungen sind voll von Büchern mit ähnlichen Titel. Auch im Internet finden sich unzählige Tipps und Tricks für Führungskräfte, wie Sie Autorität entwickeln, und natürlich gibt es auch wissenschaftliche Abhandlungen über die zentrale Frage: Wie gelingt Autorität?

Gerade wenn es darum geht, die eigenen Mitarbeiter zu empowern, ist Autorität natürlich ein Faktor: Wie wichtig ist Autorität, wenn eine Führungskraft ihre Mitarbeiter bemächtigen will? Besonders wichtig, um die Mitarbeiter direkt zu Beginn zu selbstverantwortlichem Arbeiten zu führen? Oder besonders unwichtig, weil der Chef ja nicht mehr den Ton angibt? Oder braucht es gar eine ganz neue Art der Autorität?

Ich persönlich glaube, da ist schon die Frage falsch.

Es gibt nicht mehr DIE eine richtige Form von Autorität oder DIE autoritäre Führungskraft. Das ist Vergangenheit. Es gibt nur Führungskräfte, die gelegentlich eine autoritäre Rolle einnehmen. Um wirkungsvoll führen zu können, müssen Führungskräfte mehrere Rollen besetzen, in unterschiedlichen Situationen auf unterschiedliche Stile zurückgreifen können – auf Kooperation setzen oder die Mitarbeiter einfach mal machen lassen, beispielsweise. Natürlich kommt da der autoritäre Stil auch einmal vor, er ist aber nicht der wichtigste. Es ist nicht adäquat, in nur einem Stil zu agieren – und das nicht nur, weil Chefs ihren unterschiedlichen Mitarbeitern nur durch verschiedene Führungsstile gerecht werden können.

Es setzt schon auf einer höheren Ebene an – beispielsweise beim Reifegrad eines Unternehmens. Denn verschiedene Unternehmensphasen erfordern natürlich einen je eigenen Führungsstil. Schließlich ist es etwas anderes, ob Sie ein aufkommendes Start-Up führen oder ein alteingesessenes Unternehmen.

Auch in den diversen Situationen, in denen sich ein Unternehmen befinden kann, ist eine je adäquate Führung gefragt. In einer Krise müssen beispielsweise schnell Entscheidungen getroffen werden. Da ist kein Raum und keine Zeit für Fördern und Fordern. Da braucht es Autorität. Ganz anders in der Routine: Da müssen die Teammitglieder irritiert und gefordert werden, damit sie auf neue Ideen kommen und nicht im Alltagstrott versinken, der das Unternehmen nicht weiterbringt. Und zu guter Letzt brauchen Mitarbeiter Förderung und einen Kompass, damit sie in einer Wachstumsphase wissen, wo es hingehen soll.

Nun ist mir bewusst, dass eine einzelne Person nicht alle Rollen gleich gut bedienen kann. Das wäre auch etwas viel verlangt. Das bedeutet aber, dass sich jede noch so gute Führungskraft Personen mit ins Boot holen sollte, die das gut können, womit sie sich selbst schwer tut. Dann entsteht ein Führungsteam, das sämtliche Bedürfnisse der Mitarbeiter, des Unternehmens und folglich auch der Kunden bedient. Das bedeutet auch, sich selbst zu reflektieren, offen zuzugeben, wo die eigenen Grenzen liegen, und dann dafür zu sorgen, die entsprechenden und von der jeweiligen Situation geforderten Stärken zusammenzubringen.

Ich selbst bin ein gutes Beispiel dafür: Ich bin ein Pionier und Querdenker, ich will Dinge aufbauen und weiterentwickeln. Was ich im Gegensatz nicht sonderlich gut kann, ist bewahren. Um ein gutes Geschäft weiter aufzubauen, braucht es aber einen Bewahrer, der wichtige und grundlegende Dinge davor schützt, der Modernisierungswut zum Opfer zufallen. Deshalb gibt es in meinem Unternehmen beispielsweise einen COO, der sich genau darum kümmert.

Und so ist es auch im Umgang mit den Mitarbeitern. Vielleicht fällt es Ihnen leicht, Ihre Mitarbeiter zu fördern, autoritär Anweisungen zu geben fällt Ihnen hingegen schwer. Auch dann ist es sinnvoll, sich Unterstützung von Menschen mit anderen Fähigkeiten zu holen. Letztlich ist es genau dieses Zusammenspiel, das ein Unternehmen erfolgreich macht.

Sie sehen: Es geht nicht um die Frage ob Führungskräfte autoritär sein sollen oder nicht. Es geht vielmehr darum, welche VERSCHIEDENEN Rollen sie einnehmen können.

Machen Sie sich dazu aber bewusst: Ihnen muss klar sein, was Sie können, wo Ihre Talente liegen, wo Ihre Widerstände sind. Und dann müssen Sie Ihr Ego im Griff haben und andere zu gegebenem Zeitpunkt an die Spitze lassen, wenn deren Fähigkeiten gerade mehr gebraucht werden als Ihre. Und das ist die wohl schwierigste Übung für so manches Alphamännchen.

Herzlichst

Ihr Torsten Osthus

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