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TREND VERPENNT?

Die USA erlässt strenge Abgasvorschriften für Dieselfahrzeuge, die importierende Unternehmen mit ihren Modellen per se gar nicht einhalten können. Damit haben die Vereinigten Staaten den Marktzugang weitestgehend verschlossen – unrühmliche Ausnahme ist Volkswagen. Deutschland erhöht die Datenschutzbestimmungen, die ausländische Internetriesen wie Google und Facebook vor große Herausforderungen stellen. Das ist die moderne Art des Protektionismus. Früher erhoben die Staaten bei der Einfuhr von Waren Zölle, heute kämpfen sie mit anderen „Waffen“, um die Wirtschaftskraft des eigenes Landes zu schützen.

Auch für Unternehmen besteht die Notwendigkeit, sich zu schützen: Arbeitsgesetze, Datenschutz, Urheberrecht und vieles mehr geben den Handlungsrahmen bereits vor. Im Zuge der Globalisierung müssen Unternehmen sich jedoch nicht mehr ausschließlich vor der Konkurrenz abschirmen. Vielmehr müssen sie sich rechtzeitig öffnen, um die Synergien internationaler und zum Teil neuer Geschäftsfelder nutzen zu können. Wenn sie dabei jedoch zu spät kommen, verlieren sie gegebenenfalls alles. Prominentes Beispiel ist Nokia, die den wichtigen Trend zum Smartphone verpasst haben. Schade für Nokia, aber für mich absolut nachvollziehbar.

Meine Erfahrung zeigt, dass Unternehmen immer wieder in ihrem Korsett von selbst gesetzten Regeln und der Angst, den eingeschlagenen Weg verlassen zu müssen, gefangen sind. Sie sichern alles ab und versuchen sogar, Kunden und Lieferanten in Abhängigkeiten zu bringen, um nicht über den Tellerrand hinaus schauen zu müssen. Sie schaffen sich ihre vermeintliche Sicherheitszone.

Zu viel Sicherheit macht Sie als Unternehmer jedoch schwerfällig und hemmt Sie, flexibel und innovativ zu sein. Beides Eigenschaften, die mit Blick auf die Globalisierung heutzutage unerlässlich für wirtschaftlichen Erfolg sind. Im Zeitalter des Internets verändern sich die Rahmenbedingungen für Ihr Handeln permanent.

Kürzlich kam ich mit einem bekannten Unternehmer ins Gespräch. Er führt sein Familienunternehmen in der fünften Generation. Es ist eine erfolgreiche Firmengeschichte: Mit Innovationen und Unternehmergeist haben seine Vorfahren das Unternehmen aufgebaut, Wirtschaftskrisen überstanden und prägen noch heute mit den damals entwickelten Produkten, den eingeführten Prozessen und auch dem eingehauchten „Familienspirit“ das Unternehmen.

Der Unternehmer berichtete, dass sein Unternehmen vor 15 Jahren noch Marktführer war und heute nur noch den drittstärksten Umsatz im Markt hat. In der Unterhaltung ergab sich, dass er sich viele Jahre gegen den neuen Vertriebskanal „Internet“ verschlossen hatte. Seine Wettbewerber haben Ihre Vertriebsstrategien schneller an das Onlinezeitalter angepasst.

Für ihn und sein Unternehmen war diese Einstellung verheerend. Er hat versucht, an der Strategie, die 150 Jahre bestens funktioniert hat, festzuhalten. Er hat das geschützt, was seine Vorfahren aufgebaut haben. Das ist auch gut so. Aber Sie können neue Trends als einzelnes Unternehmen nicht verhindern.
Auch mit meinem Unternehmen standen wir vor dieser unternehmerischen Entscheidung und haben uns dafür entschieden, neue Wege zu gehen: Früher haben wir ausschließlich Spezialsoftware gebaut. Doch dann wollten unsere Kunden auch Produkte von anderen Herstellern nutzen. So standen wir mit unserer Individualsoftware in Konkurrenz mit den Produktherstellern. Anstatt unsere Kunden an Wettbewerber zu verweisen und an unserem ursprünglichen Geschäftskonzept festzuhalten, haben wir die gewünschten Puzzleteile der Wettbewerber in unsere Gesamtlösung der Software integriert.

Mit diesen Produktpartnerschaften haben wir ganz klar unser eigenes Geschäftsmodell kannibalisiert. War das nicht schädlich? Nein, es war notwendig, um am Markt nicht unterzugehen.

Sie haben also die Wahl! Sie können sich vor Trends verschließen oder sie von Beginn an mitgestalten. Klar ist aber eines: Entweder Sie gehen mit oder die Trends rauschen an Ihnen vorbei. Und dann werden Sie verlieren. Glauben Sie mir, die schönen Früchte ab vom Wegesrand sind oft sehr schmackhaft und ertragreich.

Herzlichst
Ihr Torsten Osthus

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