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TRANSPARENTER, OFFENER, SORGFÄLTIGER?

Noch sind die Folgen des Imageschadens durch den VW-Abgasskandal nicht vollständig abzusehen. Die Auftragsbücher sind bis Ende des Jahres zwar voll, aber wie es dann mit dem Absatz weitergeht, bleibt abzuwarten. Nun soll eine Imagekampagne kommen, um das Bild des angeschlagenen Konzerns in der Öffentlichkeit ins positive Licht zu rücken: „Transparenter. Offener. Sorgfältiger. Wir arbeiten an einem neuen Volkswagen.“ Das werden die Plakate laut bild.de angeblich versprechen, die das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Kunden wiedergewinnen sollen. Ob das wohl klappt?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich berührt diese Kampagne nicht im Geringsten. Wenn das der Ansatz sein soll, mit dem der Konzern versucht, Vertrauen zurückzugewinnen, dann kann ich mich nur wundern. Es ist wohl jedem Unternehmer verständlich, dass das nicht mit Plakaten und Anzeigen getan ist.

Vertrauen entsteht doch dadurch, dass das Unternehmen transparent aufdeckt und verständlich macht, was passiert ist, und der Frage nachgeht, wie das passieren konnte. Es muss schonungslos und offen auf die einzelnen Punkte eingehen, entsprechend Fehler eingestehen und kommunizieren. Anschließend sollten dem auch Taten folgen. Es müssen Maßnahmen getroffen werden, damit so ein Vorfall nicht noch einmal geschieht. Ein radikaler Führungswechsel in den betroffenen Verantwortungsbereichen ist da schon mal ein guter Ansatz – aber nur, wenn dadurch mehr ausgetauscht wird als das Gesicht der Führungskraft. Es bedarf struktureller Veränderungen und neuer wirksamer Sicherheitsmechanismen.

Nun weiß ich natürlich nicht, wie intensiv das VW-Management intern an genau diesen Themen arbeitet. Aber ich kann derzeit nicht erkennen, dass das Unternehmen ernsthaft versucht, die Öffentlichkeit an den laufenden Untersuchungen teilhaben zu lassen. Die internen Untersuchungen werden mehrere Monate dauern, heißt es. Und dann werden mit Sicherheit die Ergebnisse offen gelegt. Zum Schluss. Aber im Moment ist die Situation für Außenstehende grau und undurchsichtig.

Der Punkt ist aber: Für Vertrauen braucht es Integrität und Transparenz über die Absicht. Ein Unternehmen muss zu dem stehen, was es kommuniziert, und offen legen, was es damit erreichen möchte. Und am wichtigsten: Es muss letztendlich danach handeln. Ansonsten erwächst kein Vertrauen – weder bei der Öffentlichkeit, noch bei den Kunden oder den Mitarbeitern.

So ist es auch für VW: Der Konzern muss erst einmal wieder beweisen, dass er zu seinem Wort steht und auch die Fähigkeiten hat, entsprechende Ergebnisse zu liefern.

Warum? Wenn ein Unternehmen schon in einer Krise steckt, dann muss es in die Offensive gehen, nicht stillhalten. Und Offensive bedeutet in diesem Fall permanente Transparenz und Berichterstattung über die laufenden Untersuchungen – und zwar eigeninitiativ. Da hilft es nicht, dass der New York Times-Journalist Jack Ewing ein Buch über den Skandal schreiben will und sich Leonardo DiCaprio die Filmrechte daran gesichert hat. Dadurch klären andere auf, aber nicht das Unternehmen selbst. Das widerspricht schon fast einer transparenten Strategie.

Für mich ist klar: Ein Unternehmen kann das Vertrauen seiner Kunden und Mitarbeiter nur gewinnen, wenn es mit offenen Karten spielt. Egal, ob es in einer Krise steckt oder nicht. Völlige Transparenz würde ein Unternehmen schaffen, indem es einen Journalisten einlädt, den Verbesserungsprozess zu begleiten und offen darüber zu berichten.

Das wäre doch mal eine konsequente Maßnahmen, oder?

Herzlichst
Ihr Torsten Osthus

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